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Laphroaig 10 yo, OB für Filippi Fausto, Italien 1960-er

12 Mai

Zwar fehlte auf der Flasche das Hauptlabel, angesichts des Importlabels jedoch bin ich mir ziemlich sicher, daß es sich um diesen alten 10 yo handelt. In Marcel van Gils Buch „The legend of Laphroaig“, ist dieser 10 yo der einzige mit diesem Unterlabel.

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Nase: Der erste Eindruck ist durchaus ungewöhnlich. Er erinnert an ranziges Öl, viel Walnuss, wirkt irgendwie vermodert, wie nasse Pappe, Kümmel, und Torfrauch ist auch irgendwo da, doch ist er so perfekt in den Malt integriert, daß es mir schwer fällt, ihn als separates Element wahrzunehmen. Ich erinnere mich da an die unblended Laphroaigs und ertappe mich dabei, daß ich deren tolle Fruchtigkeit vermisse…Und doch verheimlicht mir dieser Malt etwas, denn er verändert sich im Glas und läßt nach und nach immer wieder andere Aromen aufsteigen. So kommt zuerst zitrusartige Frucht an die Oberfläche, bevor ich aber sofort wieder in Düften von Gummireifen und verrottetem Laub versinke, und auch wird er immer maritimer und frischer mit der Zeit. Alles ist sehr ruhig und miteinander verwoben, dann zeigt sich Teer, Lakritz, Chicoree und Balsamico, doch die Unblended-Frucht vermisse ich immer noch. Die Komplexität dieses Malts ist schon erstaunlich, denn plötzlich ist sie da (die Frucht) und legt sich oben auf die Aromen auf, wie ein Ölfilm auf das Nudelwasser. Sie ist zitrusartig, komplex, vielleicht auch tropisch, schwer zu differenzieren, aber definitv vorhanden, wenn auch bei weitem nicht so ausgeprägt, wie bei den Unblended Laphis (sorry, ich weiß daß ich mich wiederhole).

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Mund: Hier ist er nun deutlich torfiger, rauchiger, recht süß und sehr salzig zugleich. Er hat viel Kraft, obwohl der Alkohol kaum zu bemerken ist. Stattdessen zeigen sich etwas Honig, Mandeln, Karamell, Lakritz, Kümmel, wieder Chicoree, Kräutertee und nun auch deutlich mehr tropische Frucht, die auch etwas Tomatintypisches an sich hat. Er ist kein Schwergewicht, breitet sich aber wärmend und stetig in meinem Mund aus, und die Geschmacksfülle ist sehr gut. Er wärmt, ist erstaunlich vital und in sich ruhend zugleich, alles bildet eine vorbildliche Einheit. Der maritime Charakter ist zwar da, aber nicht übermäßig stark ausgeprägt, obwohl die Salzigkeit schon Dimensionen annimmt, wie ich sie bisher eher selten in einem Whisky erfahren habe.

Abgang: Mittellang, salzig, karamellig süß, unterschwellig fruchtig, torfig und aschig.

Fazit: Dieser Malt ist in jeder Beziehung etwas Besonderes. Es ist ein toller, alter Stoff, mit einer erstaunlich wandelbaren Nase und einem umwerfenden Mundgefühl. Auch wenn mir im Gesamten die fruchtigeren späteren Abfüllungen besser gefallen haben, so ist dies doch ein bezaubernder, „erzählender“ Malt, der es von einem verlangt, daß man seine Qualitäten und Tiefen erforscht und einen dann mit alter Whiskygeschichte belohnt. Ein Erlebnis! (Und Dank an Bert fürs Mitbringen)

Rating: ✰✰✰✰✰✰✰✰✰

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4 Kommentare

Verfasst von - Mai 12, 2013 in Whiskyverkostungen fortlaufend

 

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4 Antworten zu “Laphroaig 10 yo, OB für Filippi Fausto, Italien 1960-er

  1. Jan van den Ende

    Mai 12, 2013 at 11:41

    Very Nice Notes Marcus. My mouth is watering!! Would love to try this Laphroaig. Cheers, Jan

     
    • whiskycuse

      Mai 12, 2013 at 11:41

      My mouth is watering, too. But the dram is gone forever…so sad!

       
  2. B.H.

    Mai 14, 2013 at 11:41

    Warum überrascht es mich nicht, dass der Überraschungsmalt zum 300. Beitrag ein Laphroaig ist? 😉 Herzlichen Glückwünsch! Mit alten (und dann noch so alten) Abfüllungen von Whiskys habe ich leider noch so gut wie gar keine Erfahrung. Solche Artikel und Deine häufigen Querverweise darauf machen aber in der Tat sehr neugierig. Nach so vielen Jahren wie in diesem Fall (eine gut versiegelte Flasche hin oder her) wäre es schon interessant, ob der noch so schmeckt wie damals, oder sich nach den Jahrzehnten in der Flasche doch verändert hat… Tja, werden wir wohl nie erfahren. Hinzukommt, dass der Malt ja noch aus einer Zeit der direkten (Kohle-)Befeuerung der Pott Still stammen könnte – vielleicht gab es damals ja sogar noch Worm Tubes zur Kühlung bei Laphroiag – also definitiv ein ziemlicher Unterschied zu heutigen Laphroaigs, allein schon bei der Produktion unabhängig von personengebundenen Faktoren wie Fassauswahl, Master Destiller etc. pp.
    Gruß B.H.

     
    • whiskycuse

      Mai 15, 2013 at 11:41

      Ja, das ist schon so eine spezielle Sache mit den alten Abfüllungen, und welche Faktoren nun genau zu diesem andersartigen Stil geführt hat, wissen wohl nur die Engel genau, die davon gekostet haben 😉
      Wahrscheinlich ist es ein Mischmasch aus allen Komponenten…ich bin jedenfalls ein großer Fan davon.

      Cheers

       

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