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Laphroaig 12 yo Keramik Krug, Bonfanti Import, OB ca. 1978

13 Jul

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Dieser Beitrag wird etwas länger werden, als gewohnt, so wie ich um diesen Krug auch länger als sonst herumgeschlichen bin, bevor ich ihn mir gekauft hatte. Das Problem bei diesen Krügen ist ja, daß man einfach nicht so genau weiß, was man da kauft, bzw. was da noch drin ist. Wenn man sich dann die üblichen Preise für so einen Laphroaig Krug ansieht und den mit der Ungewissheit kombiniert, ob man nach dem Öffnen auch noch etwas trinkbares darin vorfindet, dann kann einem schon ein wenig mulmig zumute werden, besonders wenn man (wie ich) nicht über ein königliches Monatseinkommen verfügt.

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Da ich nun aber ein überzeugter Laphroaig-Fan bin und es im Internet kaum Erfahrungsberichte zu dieser Abfüllung gibt, kam ich nicht drum herum das Risiko einzugehen, und mir diesen 12 yo zu kaufen.

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Vor dem Öffnen stellte ich den „vollen“ Krug auf die Waage und erhielt das oben abzulesende Ergebnis. Wenn man ihn noch in einem Shop findet, wo man ihn vorher mal abwiegen kann, so kann man dann auch auf die Menge des noch darin vorhandenen Whiskys schließen. Denn bei diesem Gesamtgewicht erhielt ich ca. 650 ml klaren Single Malts extrahiert.

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Es fehlen also ca. 100 ml Flüssigkeit zum ursprünglichen Abfüllvolumen von 75 cl. Wie ich auch schon durch den offensichtlich nicht mehr ganz dichten Korken vermutete, ist im Laufe der Jahrzehnte sowohl Wasser, als auch vermutlich Alkohol verdunstet, und wie ich finde eine ganze Menge.

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Beim vorsichtigen Entfernen des Korkens brach er trotzdem ab, und doch konnte ich den festsitzenden Rest im Stück „herausoperieren“, ohne daß allzuviele Krümel in den Malt gefallen sind.

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Ich habe den Inhalt dann in Sampleflaschen umgefüllt, und ein paar Tage mit der Verkostung gewartet, damit sich der Dram ein wenig an die Luft des 21. Jahrhunderts gewöhnen konnte. Dann ging es los…

Nase: Der erste Eindruck ist von erstaunlich viel Sherry geprägt, und Rauch suche ich vorerst vergeblich. Das hätte man mir auch durchaus als alten Speysider verkaufen können. Erst verschlossen, braucht er eine Weile im Glas, um sich zu öffnen. Der Duft ist alt, harmonisch, geprägt von Vanille, Karamell, altem Schrank und läßt auch langsam etwas Apfel-, Limetten- und Pfirsichfrucht durchblicken. Auch ein wenig Torfrauch zieht sich bald wie eine Ader durch den Körper des Malts, und Düfte von Nüssen, Muskat, Kokos und Tabak gesellen sich dazu. Die Aromen sind extrem miteinander verbunden und wandeln sich immer wieder in verschiedene Richtungen. Der Alkohol sticht leider trotz der Verdunstung etwas. Mit der Zeit wird er rauchiger, zeigt Holzkohle, Mineralität und Asche.

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Mund: Erstaunlich intensiv, mit viel Karamell, Tabak, Holz und Trockenfrüchten, er ist sauber aber étwas flach. Die Verdunstung macht sich nun doch bemerkbar, und so ist der Malt deutlich trocken und etwas ausdruckslos. Er zeigt sich maritim, aber Torfrauch steht eher im Hintergrund. Nach einer Weile verändert er sich etwas, zeigt Orangenschalen, herbe Bitterschokolade, Salz, Lakritz, Haselnuss und alten Schrank, und das Mundgefühl ist von trockener Staubigkeit geprägt.

Abgang: Mittellang, staubig, herb, salzig, aschig und leicht nussig.

Fazit: Die Frage, die ich mir die ganze Zeit stelle ist, ob ich es bereue diesen Malt gekauft zu haben. Nun, wenn ich gewußt hätte, wie er schmeckt, dann hätte ich mir die 600 € wohl für eine (oder zwei) andere Abfüllungen aufgespart. Trotzdem ist nun die Neugierde befriedigt, und der leere Krug macht sich auf dem Regal ganz nett. Ich glaube aber, daß jeder Krug dieses Alters ein deutliches Risiko birgt, und so kann der nächste Laphroaig-Krug schlechter, besser oder einfach nur ganz anders sein, als dieser hier. Zumindest bleibt es ein Abenteuer…

Rating: ✰✰✰✰

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2 Kommentare

Verfasst von - Juli 13, 2013 in Whiskyverkostungen fortlaufend

 

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2 Antworten zu “Laphroaig 12 yo Keramik Krug, Bonfanti Import, OB ca. 1978

  1. margaretemarie

    Juli 15, 2013 at 11:41

    Es war auf jeden Fall ein ganz besonderes Erlebnis, diesen Malt mit dir gemeinsam verkosten zu dürfen – definitiv einer jener Momente, die für mich in die Kategorie „Dream Drams and Dram Dreams“ fallen. Nochmals ganz herzlichen Dank dafür und liebe Grüße, auch an K.

     
    • whiskycuse

      Juli 15, 2013 at 11:41

      Freut mich, wenn Du ihn so in Erinnerung hast. War für mich auch besonders (und nicht nur der Dram…).

      LG Marcus

       

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