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Lagavulin 12 yo, White Horse „Pure Islay Malt“, Motenegro Zola Import, 43 % vol, OB 1970-er

20 Nov

Wenn man an solch einem Whisky das erste mal riecht – und mit solch einem Whisky meine ich einen Islay Malt dieser Destille, aus dieser Zeit und mit dieser Farbe – dann fällt es anfänglich schwer die einzelnen Komponenten zu erfassen und in Worte zu fassen. Das liegt daran, dass ein Gefühl von Ganzheitlichkeit und Makellosigkeit einen einfach zu überwältigen „droht“. Das ist mir schon des öfteren so gegangen, wenn ich meine Nase einem Ausnahme Malt dieser Qualität genähert hatte, und die Lust und der Ehrgeiz ihn nun in seine Bestandteile zu zerpflücken, ist so ziemlich das letzte, woran ich da zu denken vermag. Nun, da ich aber auch meiner Pflicht als Autor nachkommen möchte, habe ich versucht diesen Whisky ganz „nüchtern“ (das Wort kann in diesem Zusammenhang ruhig zweideutig wahrgenommen werden) zu betrachten, und habe folgende Eindrücke extrahiert.

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Nase: Es duftet mir aromatischer Lagerfeuerrauch entgegen, Pfeiffentabak, viel Jod, perfekter Sherry, ein ausgewogenes Gemisch von cremiger Süße und mineralischen Salzen durchziehen diese Aromen, und wird sogleich Eins mit ihnen! Schnell kommt süße Kräutertönigkeit nach oben, ebenso wie Trockenfrüchte, Karamell und der Duft von altem Keller oder U-Bahnhof. Etwas Würze liegt darunter, und nasse Erde, bewachsen mit frischer Petersilie, Minze und Basilikum, löst sich auf in nordische Maritimität.

Lagavulin 12 yo white horse

Mund: Kraftvoller Antritt, mit viel Salz, Jod, tollem Sherry und süßen Kräutertönen ergießen sich auf meine Zunge, auch wenn der Grundcharakter eher trocken und sehr elegant erscheint. Er zeigt sich mir sehr ausgewogen, mit hervorragendem Volumen und gut integriertem Alkohol, und feuchte Erdigkeit verbindet sich perfekt mit Eindrücken von Schwarztee, Kaffee, Trockenfrüchten, aschiger Holzkohle und vermoderten Pflanzenresten.

Abgang: Lang, trocken, kräutertönig, salzig und jodig.

Fazit: Nun, der Preis von um die 1000 € für solch eine Flasche (wenn man sie denn entdeckt), ist sicher für die meisten (so auch für mich) ein absoluter Portemonnaie-Sprenger, keine Frage. Aber was bekommt man als Gegenleistung? Wenn man die perfekte Harmonie solcher alten Abfüllungen einmal erfahren hat, dann wird man das Empfundene niemals wieder vergessen. Wenn diese alte Abfüllung dann aber auch noch aus dieser Destille kommt, dann verbinden sich der alte Islaycharakter und der wunderbare Sherry zu einer ganz besonderen Einheit, die ihresgleichen sucht und einen uneingeschränkt glücklich machen kann. Kurz gesagt, hätte ich dieses Budget zur Verfügung, ich würde es dafür ausgeben. In diesem Sinne, vielen Dank an Jens für diese Möglichkeit!

Rating: ✰✰✰✰✰

Summary in english: Tasting these kinds of old style whiskies always means fun to me! But doing this, there is also a difficult part about it, which is caused by the perfect aromatic harmony that these old bottles often do have. It makes it much more difficult to analyze the malt and its different flavour expressions. But finally I did my best, and here are my impressions: As I already mentioned, the nose is perfectly harmonious, with lots of iodine, very elegant and sweet sherry, aromatic bonfire smoke, pipe tobacco, sweet herbs, dried fruits, caramel and the smell of old subway tunnel (yes, this can be very delightful!). A bit of spiciness is lying underneath, as well as lots of wet soil, salt, and herbs like parsley, mint and basil. The taste is very powerful, elegant, slightly smoky and rather dry, with salt, iodine, fine sherry, herbs, coffee, black tea, dried fruits, ashy coal and wet soil. Everything is perfectly bound together and appearing as if made from one piece. The finish is long, dry, herbal, salty and again with lots of iodine. Thanks a lot Jens for this opportunity, I will be remembering it for a long time!

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8 Kommentare

Verfasst von - November 20, 2014 in Whiskyverkostungen fortlaufend

 

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8 Antworten zu “Lagavulin 12 yo, White Horse „Pure Islay Malt“, Motenegro Zola Import, 43 % vol, OB 1970-er

  1. Jan van den Ende

    November 20, 2014 at 11:41

    Hey Marcus, This really sounds as Close to Perfection. Really nice to read about these older bottles. A pity they are practically unaffordable for most os us. This should have been your last whisky before you quit blogging in 50 years! Ha Ha! Cheers!
    Jan

     
    • whiskycuse

      November 20, 2014 at 11:41

      Hello Jan, if I ever can afford to buy a bottle of this whisky, I will keep it closed until you visit me her in germany. And then we both can open it and enjoy this great dram. I am looking forward to!

      Cheers Marcus

       
      • Jan van den Ende

        November 20, 2014 at 11:41

        I’m honoured Marcus, Would be great if that could work out sometime. I might be going to Germany next year so who knows!!!
        Cheers!
        Jan

         
      • whiskycuse

        November 20, 2014 at 11:41

        Ah, really? Where will you be going?

         
      • Jan van den Ende

        November 20, 2014 at 11:41

        To my parents in law in Bammental, close to Heidelberg. Probably late 2015. I will let you know and we will see if we can work something out!

         
      • whiskycuse

        November 20, 2014 at 11:41

        Would be great!

         
  2. B.H.

    November 20, 2014 at 11:41

    WOW – da ist man sprachlos.

    Gruß Björn

     
    • whiskycuse

      November 20, 2014 at 11:41

      Ja, so gings mir auch. Aber er ist recht oft auf Messen zum Verkosten geöffnet, sodass sich sicher eine Möglichkeit ergibt. Den Preis für ein Sample ist er auf jeden Fall wert!

      Gruß Marcus

       

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