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Mein Glossar

Wenn ich einen Whisky verkoste und ihn somit sensorisch erfasse und ergründe, dann teilen sich meine Eindrücke grundsätzlich in zwei Gruppen. Da sind zum ersten die Aromen, die ich spezifisch benennen kann, wie z.B. klar ausgeprägte Fruchtaromen, Holz, Sherry, Kaffee, und vieles mehr, eben alles wonach der Whisky riecht und schmeckt. Diese Eindrücke sind in der Regel für den Leser gut nachzuvollziehen, da sie greifbar und auch schnell anhand von z.B. echter Früchte zu überprüfen sind.

Die andere Gruppe beschreibt eher die Empfindungen oder Erinnerungen, die ich erlebe, wenn ein Malt seine Ausprägung zeigt. Diese Beschreibungen sind dann solche wie: sein Duft ist weitgefächert, oder der Abgang ist ohne Einbruch, etc. Solche Formulierungen nachzuvollziehen kann unter Umständen schwierig sein, wenn nicht klar definiert ist, was diese Worte für mich bedeuten.

Daher werde ich in meinem Glossar diese Art von Verkostungsnotizen so gut wie möglich erläutern, und somit hoffentlich ausreichend Transparenz in die Beschreibungen bringen. Ich werde es fortlaufend aktualisieren, und sollte hier mal eine unklare Beschreibung nicht zu finden sein, dann wäre ich über einen entsprechenden Kommentar dankbar.

Abgang ohne Einbruch: Ein Abgang zieht sich optimalerweise kontinuierlich bis in den Nachgeschmack hinein. Dabei sollte er in seiner Intensität langsam und stetig nachlassen, also förmlich im Mund verglühen. Gibt es aber einen Einbruch, so beginnt der Abgang in der Regel kräftig und läßt dann ganz plötzlich nach, als wäre er abgestürzt. Das ist dann ein ziemlich enttäuschendes Erlebnis. Dieser Einbruch kann unterschiedlich stark sein, von kaum zu bemerken, bis komplett.

Abgang und Nachgeschmack: Der Abgang ist der direkte Geschmack des Malts, nachdem er die Mundhöhle verlassen hat. Ist dieser direkte Geschmack verblasst, dann bleibt ein Resteindruck zurück, der eher einem Schatten des Whiskys ähnelt. Vergleichbar mit einem Zwiebelgericht, nach dem man den Zwiebelgeschmack noch lange nach dem Essen im Mund hat.

Alte Zeit: Ich habe diesen Begriff für Whiskys aus den 1980-er Jahren und früher gewählt. Typisch für Malts aus dieser Zeit sind, zumindest aus meinem heutigen Erfahrungsschatz heraus beurteilt, die Eigenschaften von großer Aromenintegration, Harmonie und weniger vordergründig hervorstechenden Aromen. Sie überzeugen manchmal erst auf den zweiten Riecher, dafür aber dauerhaft.

Aromenintegration: Diesen Begriff verwende ich, um die Harmonie eines Malts zu beschreiben. Es geht dabei darum, daß bei einer großen Aromenintegration die einzelnen Aromen zu einer Einheit verschmolzen, also in die Gesamtheit integriert sind. Diesen Effekt habe ich oft bei den alten Abfüllungen aus den 80-er Jahren beobachtet, und er stellt dür mich ein wichtiges Qualitätsmerkmal eines Malts dar.

Ausdehnung im Mund: Beschreibt das Fließ-und Ausbreitungsverhalten im Mund. Einige Malts huschen über die Zunge, als hätten sie es sehr eilig. Andere kriechen ganz langsam und fordernd in alle Winkel und hinterlassen überall ihr Geschmacksbild. Dies ist ein sehr intensives Vergnügen.

Aromatisch: Diesen Begriff benutze ich recht häufig, und er soll beschreiben, daß die Aromen sehr voluminös, einheitlich und weiträumig ausbreiten. Sie sind dann in der Regel komplex, reich und beziehen sich nicht auf konkrete Einzeldüfte, sondern auf das Erleben des ganzen Aromenspektrums, was wie ein Nebel die Nase umwabert.

Belegt die Zunge: Wenn ein Malt sich besonders intensiv auf der Zunge bemerkbar macht, dann belegt er sie. Die Intensität ist dabei so groß, daß der Charakter dieser Empfindung fast etwas betäubend ist. Ich finde das recht angenehm, sie schränkt aber die Aromenwahrnehmung und deren Differenzierung etwas ein.

Drahtig: Eine Mischung aus schlank und trotzdem kraftvoll. Der Geschmack ist dabei intensiv und fest, aber nicht voluminös. Wenn man ein voluminöses Geschmacksbild auf einen kleineren Raum beschränkt, dann erhält man einen drahtigen Charakter.

Fade: Manche Malts dünnen zum Ende hin im Geschmack etwas aus. Die Aromen hinterlassen dann nur noch ihren Schatten. Vielleicht vergleichbar mit deutlich zu wenig gewürztem Essen.

Gemüsig: Das ist ein Aroma, was insbesondere im Geschmack an den von Rohkostgemüse erinnert. Dabei geht es nicht um das genaue Bezeichnen eines bestimmten Gemüses, sondern eher um den grundsätzlichen, frischen und herzhaften Charakter von z.B. Paprika, Porree, Sellerie, Rettich oder Möhren. Ich persönlich mag diese Ausprägung eigentlich nicht so sehr, bei sehr süßen und mächtigen Malts, kann sie jedoch eine gewisse Eleganz, als Kontrast zu den restlichen Aromen verleihen.

Geschmacksfülle: Im Geschmack finden sich bei großer Geschmacksfülle sehr viele Aromen mit großer Intensität. Dabei ist diese Empfindung vollkommen unabhängig vom Alkohol und wird durch ihn nicht beeinflusst. So etwas habe ich oft bei alten OA aus den 1980-er Jahren bemerkt. Sie hatten zwar oft nur 40%vol, waren aber um einiges geschmacksintensiver, als neuere Abfüllungen mit mehr Alkohol. Der im Malt vorhandene Alkohol reicht also aus, um sämtliche Aromen voll zur Entfaltung zu bringen, tritt dabei aber nicht vordergründig in Erscheinung. Manchmal nenne ich das auch Mundfülle.

Klebstoffartig: Bei sherrygereiften Malts mit intensiven Fasseinfluß gibt es eine Geruchsausprägung, die in der Tat enorm an den Duft von Klebstoff erinnert. Dabei variiert der Klebstoff von Tapetenkleister über Uhu zu Pattex, mit allen möglichen Abstufungen dazwischen. Ist dieser Duft kombiniert mit einer gewissen Komplexität und fruchtigen, nougatartigen oder marzipanigen Noten, so ist dies einer der wunderbarsten Düfte die ich kenne.

Maritmer Charakter: Ein Malt, der Aromen von der See offeriert. Er duftet oder schmeckt salzig, oft auch torfig, nach Austern, nassem Sand, Seetang, und man bildet sich Seeluft und den typischen Duft ein, den man vernimmt, wenn man an einem regnerischen Tag am Ostseestrand steht. Dabei geht es weniger um die Aromen im einzelnen, als eher um den Gesamteindruck, den sie erzeugen. Der Laddi Ten ist ein gutes Beispiel für einen maritimen Malt.

OB: Bedeutet „original bottling“, also englisch für „Originalabfüllung“. Ich weiß auch nicht so genau, warum ich nicht OA schreibe. Irgendwie hat sich das so eingeschlichen, wahrscheinlich, weil ich das in den englischsprachigen Blogs immer so gelesen habe. Mal sehen, vielleicht ändere ich es irgendwann um, wenn ich mal viel Zeit habe…

Pflanzenartig: Diese Ausprägung ist mit gemüsig zu vergeleichen, nur daß das Aroma um einiges fader und neutraler ist. Zu vergleichen vielleicht mit dem Pflanzensaft von Blumen und Gräsern. Mag ich noch weniger als die gemüsigen Aromen.

Tiefenstaffelung: Beschreibt eine Eigenschaft der Aromenentfaltung im Duft. Die Aromen zeigen sich dabei nicht alle auf einmal, sondern nach und nach, je tiefer man in den Malt hineinriecht. Diese Malts sind sehr komplex und benötigen einiges an Zeit, um ergründet zu werden. Ich habe dann immer das Bild vor Augen, wie ich auf einer Wendeltreppe immer tiefer in den Whisky hinabsteige, um ihn so zu erforschen.

Überzieht die Zunge: Im Gegensatz zum Zunge belegen, fehlt hier der betäubende Charakter. Es ist eher ein Gefühl, als würde sich der Malt mit einer gewissen Öligkeit, wie ein Schleier um die Zunge wickeln.

Weitgefächert: Im Gegensatz zur Tiefenstaffelung, breiten sich die Aromen hier wie eine Fächer vor einem aus. Der Malt ist nicht weniger Komplex, er gibt seine Düfte aber eher gleichzeitig ab, und man muß sie dann nur noch, wie auf einer Tafel geschrieben ablesen.

 

2 Antworten zu “Mein Glossar

  1. uisgebeat

    Mai 14, 2012 at 11:41

    Sehr schön, endlich mal Jemand der seine Geschmacksbeschreibungen erläutert. Da liest man ja manchmal schon sehr fantasievolle Beschreibungen, bei denen ich mich Frage, was ich darunter zu verstehen habe. Der praktische Wert solcher Tasting-Notes ist dann eher gering. Eine gute Idee, ein schöner Blog, weiter so !

     
    • whiskycuse

      Mai 14, 2012 at 11:41

      Vielen Dank, ich werde das Glossar kontinuierlich weiter aktualisieren, wenn mir unklare Begriffe auffallen, oder jemand anderem natürlich.

       

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